Über eine neue Theorie zur Erklärung des Ursprungs und der Funktion von Bewusstsein
1 Einleitung
Was ist Bewusstsein? Welchen Zweck hat es? Wie funktioniert Bewusstsein?
Wie und warum ist es überhaupt entstanden?
Das sind fundamentale Fragen, deren Beantwortung einen nicht zu
unterschätzenden Einfluss auf unser Menschenbild wie auch auf unsere Ansichten
über die Positionierung des Menschen in und gegenüber der belebten Natur haben
könnten. Aktuell sind wir weit davon entfernt, belastbare und empirisch
verifizierbare wissenschaftliche Aussagen dazu zu treffen. Die Philosophie und die Neurowissenschaften versuchen seit
Jahrzehnten einer Problemlösung näher zu kommen, verirren sich jedoch bislang
systematisch aufgrund ihrer methodologischen Vorannahmen wie Physikalismus,
Funktionalismus, mechanistischer Reduktionismus (siehe dazu Beckermann 2008)
und ihrer Fixierung auf das Gehirn (Zerebrozentrismus, kritisiert u. a in
Bennet, Hacker 2003 sowie Fuchs 2008). Insbesondere
fehlt es bislang an einer philosophisch, biologisch, psychologisch und
soziologisch tragfähigen Theorie des Bewusstseins. In der Psychologie haben die
sozio- und kulturevolutionären Theorien der Schule von Vygotskij (Vygotskij
2017) und Leontjew (Leontjew 1977, 1982) sowie, daran anschließend, die
Kritische Psychologie (Holzkamp 1983)
sicher gut fundierte Erklärungen für die Entstehung und Evolution des Psychischen
geliefert, die zugrundeliegenden physiologischen Prozesse aber nicht
thematisiert.
Der einschlägige Blackwell Companion to Conciousness (Velmans,
Schneider 2007) enthält allerlei Theorien zum Bewusstsein, jedoch nicht einen
Versuch einer Definition oder Beschreibung, was unter Bewusstsein verstanden
werden sollte, und der Frage nach der Evolution des Bewusstseins widmet sich
einzig der Beitrag von Thomas Polger „Rethinking the evolution of
consciousness“, und auch das nur unter einem speziellen Aspekt. Polger
schreibt:
Die meisten Diskussionen über
Ursprung und Erhalt des Bewusstseins drehen sich jedoch nicht um die relativen
Vorzüge verschiedener naturgeschichtlicher Erklärungen des Bewusstseins.
Vielmehr liegt der Fokus auf verschiedenen Argumentationslinien, die belegen
sollen, dass – falls eine bestimmte Erklärung (oder eine allgemeine Klasse von
Erklärungen) der Bewusstseinsgeschichte zutrifft – dies Aufschluss über das
Wesen des Bewusstseins geben würde. Im Gegensatz zu den relativ unkomplizierten
naturgeschichtlichen Überlegungen zum Bewusstsein befasst sich diese zweite
Betrachtungsweise mit theoretischen Verbindungen zwischen der Ätiologie des
Bewusstseins[1]
und philosophischen Theorien über sein Wesen. Diese Argumentationslinien sind
spekulativ oder philosophisch; sie konzentrieren sich darauf, was mögliche
Indizien nahelegen könnten, anstatt auf die tatsächlich vorhandenen Beweise. (Velmans,
Schneider 2007, 73) [2]
Dementsprechend befasst sich der daran anschließende Text mit
den rein analytisch-philosophischen Fragen nach dem Verhältnis zwischen
natürlicher Entstehung des Bewusstseins und seiner kausalen Rolle für den Bewusstsein
habenden Organismus. Offensichtlich dürfte dies bei der Beantwortung der oben
gestellten Fragen kaum hilfreich sein.
Bevor ich fortfahre, soll zunächst geklärt werden, was im
Folgenden unter Bewusstsein verstanden werden soll.
Bewusstsein ist der individuelle psychische Prozess, der
jegliches Erleben begleitet.
Zur Erläuterung möchte ich mich auf den sowjetischen Psychologen
Rubinstein beziehen. In seinem Standardwerk „Grundlagen der allgemeinen
Psychologie“ schreibt er:
Das Bewusstsein des konkreten
Individuums ist die Einheit von Erleben und Wissen.[3]
Im Bewusstsein des
Individuums ist das Wissen gewöhnlich nicht in „reiner“, das heißt abstrakter
Form gegeben, sondern nur als ein Moment, als eine Seite der vielgestaltigen,
tätigen, motivhaltigen, persönlichen Momente, die im Erleben widergespiegelt werden.
Das Bewusstsein der
konkreten, lebendigen Persönlichkeit – Bewusstsein im psychologischen… Sinn des
Wortes – ist immer gleichsam in ein dynamisches, nicht völlig bewusst
gewordenes Erleben eingetaucht, das eine mehr oder weniger deutlich
beleuchtete, wechselnde, in ihren Konturen nicht fest bestimmte Folie bildet,
aus der das Bewusstsein herausragt, von der es sich aber nie ganz lösen kann.
Jeder Bewusstseinsakt ist von einer mehr oder weniger dumpfen Resonanz
begleitet, die er in den weniger bewusst gewordenen Erlebnissen hervorruft, so
wie umgekehrt oft das undeutliche, aber sehr intensive Spiel der nicht völlig
bewusst gewordenen Erlebnisse im Bewusstsein Resonanz findet.
Jedes Erlebnis unterscheidet sich von anderen und lässt sich als
eben dieses Erlebnis bestimmen dank des Umstandes, dass es ein Erlebnis von
etwas ist. Seine innere Natur offenbart sich in seiner Beziehung zur Außenwelt.
Das Bewusstwerden des Erlebens ist immer ein Klarstellen seiner objektiven
Beziehungen zu den Ursachen, die es hervorrufen, zu den Objekten, auf die es
gerichtet ist, zu den Handlungen, durch die es realisiert werden kann. Das Bewusstwerden
des Erlebens ist darum immer und notwendigerweise nicht etwa sein
Einschließen in die innere Welt, sondern sein In-Beziehung-Setzen zur äußeren,
gegenständlichen Welt. (Rubinstein 1971, 21, Rechtschreibung modernisiert,
Hervorhebungen im Original)
Die Rede ist also vom phänomenalen Bewusstsein, vom Erlebnisbewusstsein,
wozu auch das Selbstbewusstsein als reflexives Wissen um das eigene Erlebnisbewusstsein
gehört.
Was sollte m. E. n. eine Theorie des Bewusstseins leisten
können?
(3)
Eine Theorie des Bewusstseins sollte
neurophysiologisch fundiert sein, d. h. sie sollte die neuronalen
Prozesse im Gehirn (aber möglicherweise auch in anderen Bereichen des
Nervensystems), die Bewusstsein erzeugen, identifizieren und beschreiben
können. Außerdem sollte sie erklären können, ob Bewusstsein ausschließlich an
biologische Organismen gebunden ist oder ob nicht etwa nichtorganische Materie
zu Bewusstsein fähig sein könnte.
(5)
Eine Theorie des Bewusstseins sollte
philosophisch fundiert sein, d. h. sie sollte von einer eindeutig
materialistischen (nicht physikalistischen!) Position aus erklären können, wie
das emergente, nicht materielle Phänomen Bewusstsein ausgehend von der
Materialität aller zu Grunde liegenden organismischen Prozesse überhaupt
möglich ist. Außerdem sollte sie in der Lage sein, eine befriedigende Lösung
des Problems der kausalen Verursachung zu formulieren.
Was eine Theorie des Bewusstseins insbesondere nicht leisten
muss, ist eine Erklärung der so genannten Qualia, da es sich nach
meinem Dafürhalten bei diesem Begriff um schlechte Metaphysik handelt, die
Occams Razor nicht standhält (siehe dazu Bennet, Hacker 2003, 271ff).
Möglicherweise sollten noch weitere Anforderungen an eine
Theorie des Bewusstseins gestellt werden, möglicherweise aber sind die fünf
genannten bereits zu anspruchsvoll. Der aufmerksamen Leserin wird entgangen
sein, dass bei deren Formulierung auch ich von bestimmten, früher hätte man
gesagt weltanschaulichen oder auch ideologischen Vorausannahmen ausgegangen
bin. Zu meiner Rechtfertigung sei auf den zweiten Halbsatz von Kants viel
zitierter Sentenz verwiesen: „Gedanken ohne Inhalt
sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“
2
Die Estimatortheorie des Bewusstseins
Zwischen 2013 und 2021 hat der
niederländische Theoretiker Jan Hans von Hateren von der Universität Groningen
in einer Reihe von größtenteils frei zugänglichen Fachartikeln (van Hateren
2012 – 2021b) eine Theorie entwickelt, die geeignet zu sein scheint, den fünf
formulierten Anforderungen an eine Bewusstseinstheorie zu genügen. 2022 hat von
Hateren seine Ideen in einem Buch unter dem Titel „The estimator theory of life
and mind: How agency and consciousness can emerge“ (van Hateren 2022a) zusammengefasst,
das ebenfalls frei verfügbar ist. [4]
Um die Estimatortheorie zu erläutern, werde ich mich hauptsächlich auf van Haterens Aufsatz „A theory of consciousness: Computation, algorithm, and neurobiological realization“ (van Hateren 2019) sowie das entsprechende Kapitel 12 des genannten Buches stützen. Da es wohl im deutschen keine gute Entsprechung zum englischen Estimator zu geben scheint, werde ich außerdem beim englischen Terminus bleiben.
2.1 Evolutionäre Fitness
Van Hateren geht davon aus, dass es das Bestreben eines jeden Organismus ist, seine evolutionäre Fitness aufrechtzuerhalten oder zu verbessern. Darunter versteht er grundsätzlich die Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit eines Organismus, die als Kombination von Lebenserwartung und Reproduktionsrate auch quantifizierbar ist.
Es handelt sich also nicht um ein nachträgliches Maß für den
tatsächlich erzielten Erfolg eines Organismus, sondern um ein gleichzeitiges
Maß für den wahrscheinlichen Erfolg eines Organismus. Die Tendenz zum Überleben
umfasst nicht nur die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Bedrohungen, wie
Konkurrenten und Raubtieren, sondern auch die Fähigkeit zur Selbsterhaltung,
beispielsweise durch einen gut funktionierenden Stoffwechsel. Das tatsächlich
realisierte Überleben und die Fortpflanzung stehen nur im statistischen Sinne
mit der Fitness in Zusammenhang, da sie teilweise von Zufallsfaktoren abhängen.
Fitness, als die Fähigkeit und Tendenz zum Überleben und zur Fortpflanzung,
wird durch eine Vielzahl von Faktoren hervorgerufen, die aus der Umwelt und aus
dem Inneren des Organismus stammen. (van Hateren 2017)
Allgemeiner quantifiziert die Fitness – als statistische
Erwartung – wie gut ein Organismus seine Eigenschaften an andere Organismen,
insbesondere an nachfolgende Generationen, weitergeben kann. Je nach
Lebensweise des Organismus können in die Fitness auch überindividuelle Faktoren
eingehen (bspw. in Sozialverbänden), soweit sie eben der Lebenserwartung oder
der Reproduktionsrate dienlich sind. Aus theoretischer Sicht ist die so
verstandene Fitness, wie van Hateren schreibt, „ein zukunftsorientiertes, probabilistisches
Maß“, drückt also eine Wahrscheinlichkeit oder einen Erwartungswert aus. Und
weiter:
Das tatsächliche Überleben
und die Fortpflanzung schwanken anschließend zufällig um den Erwartungswert.
Die Fitness ändert sich von Moment zu Moment, abhängig von den Umständen (z. B.
der Nahrungsverfügbarkeit) und dem Zustand des Organismus (z. B. seinem
Gesundheitszustand). (van Hateren 2019)
In der Mathematik bezeichnet Maß generell eine
reelwertige Funktion auf einer irgend gearteten Menge. Die evolutionäre Fitness
f versteht van Hateren als das
Ergebnis der Anwendung einer solchen Funktion F auf die Menge der fitnessrelevanten Parameter w (w steht für den fitnessrelevanten Teil der Welt, der sowohl
äußere Um- als auch innere Zustände umfasst). Die Ausgangsgleichung der Theorie
lautet also
(E1)
f = Fw
mit dem zeitabhängigen Inputvektor w, dem Fitnessoperator F und der resultierenden, ebenfalls
zeitabhängigen Fitness f. Für die Theorie ist es nicht von Belang, wie F konkret realisiert ist, da wir es
bei einem lebenden Organismus mit einem komplexen thermodynamischen System
(Maturana, Varela 1972) zu tun haben, ist allerdings davon auszugehen, dass F nichtlinear
und nicht stationär [5]
ist.
Van Hateren führt aus, dass f das individuelle wie auch das evolutionäre Verhalten des
Organismus beeinflusst.
Ändern sich die Umstände,
kann sich auch f ändern. Sinkt f und wird diese Abnahme vom Organismus indirekt
wahrgenommen (z. B. bei Nahrungsknappheit), werden in der Regel Kompensations-mechanismen
aktiviert (z. B. durch Umstellung auf andere Nahrungsquellen oder durch
Anpassung der Stoffwechselrate). (van Hateren 2019)
Und weiter:
Kompensationsmechanismen
können entweder vollständig vererbt (wenn sie auf frühere Evolution
zurückzuführen sind) oder nicht bzw. nur teilweise vererbt sein (z. B. wenn sie
größtenteils durch früheres Lernen eines bestimmten Organismus entstanden
sind). (van Hateren 2019)
Ein hoher Wert von f bewirkt keine oder nur geringe Kompensationsleistungen, ein
niedriger, hervorgerufen durch veränderte Umstände (w), veranlasst den Organismus (oder
die Gruppe oder die Population) zur Suche nach Kompensationsmöglichkeiten, ohne
deren Erfolg der Tod zu erwarten wäre. Diese Suche ist ungerichtet und zufällig
und kann, in Analogie zu einem Konzept von Maturana und Varela (Maturana, Varela
2015), als Drift charakterisiert werden.
2.2
Der Estimator
Wiewohl der Prozess F physisch realisiert ist und, zumindest auf theoretischer Ebene,
zu jedem Zeitpunkt t einen Wert f(t) liefert, sind er wie auch die Fitness selbst nicht direkt
beobachtbar. Nichtsdestotrotz sind sie offensichtlich wirksam. Um dies zu
erklären, stellt van Hateren die Hypothese auf, dass in jedem Organismus ein
interner physiologischer Prozesses X existiert, der eine Schätzung x der evolutionären Fitness f liefert. Diesen Prozess nennt van Hateren Estimator.
Die Estimatorgleichung lautet demnach:
mit dem zeitabhängigen Inputvektor u als Repräsentant des für den
Organismus zugänglichen Teils der Welt einschließlich seiner selbst, dem
Schätzoperator X und der
resultierenden, ebenfalls zeitabhängigen Fitnessschätzung x.
Dies bedeutet, dass der Wert von x zumindest annähernd den Wert
von f widerspiegeln sollte, ähnlich wie der Messwert eines Thermometers
annähernd die tatsächliche Temperatur des gemessenen Mediums widerspiegeln
sollte. Die Prozesse X und F sind sehr unterschiedliche Größen, in demselben
Sinne, wie sich eine Wettersimulation (die durch Beobachtung und Berechnung
entsteht) qualitativ (d. h. kategorisch) vom Wetter selbst unterscheidet. (van
Hateren 2017)
Ebenso wie F wird X als nichtlinear und nicht stationär angenommen, und ebenso ist
es für die Estimatortheorie nicht von Belang, wie X in einem Organismus konkret
realisiert ist. Van Hateren geht es vielmehr darum zu zeigen, dass und wie ein
derartiger Estimatorprozess X Bewusstsein erzeugen kann.
Bevor ich nun zu erläutern versuche, wie in van Haterens Modell
Bewusstsein entstehen kann, sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir es
hier mit einem theoretischen Konstrukt, einem abstrakten
mathematischen Modell zu tun haben. Bislang liegen keinerlei empirische
Evidenzen dafür vor, dass es den Estimator X als organismischen Prozess wirklich gibt. Van Hateren äußert
jedoch einige Ideen, wie Evidenzen zu gewinnen wären, auf die ich später (siehe
2.5) eingehen
werde.
2.3 Kommunikation
der Fitnessschätzung
In Organismenverbänden, besonders wenn sie sozial verfasst sind
(Familie, Herde, Staat etc.), kann es sowohl für den einzelnen Organismus als
auch für den ganze Verband von evolutionärem Vorteil sein, sich gegenseitig
über die Schätzung der eigenen Fitness zu informieren.
Eine wichtige Erweiterung der
Fitness ergibt sich, wenn Organismen eng verwandten Organismen helfen. Steigt
dadurch der Fortpflanzungserfolg eines Organismus, dem geholfen wird kann dies
indirekt die Fitness des helfenden Organismus erhöhen. Dies liegt daran, dass
der helfende Organismus viele Gene mit den Nachkommen jenes Organismus teilt.
So fördert der helfende Organismus indirekt die Verbreitung seiner eigenen
Eigenschaften. Überwiegt dieser Fitnessnutzen die Kosten der Hilfeleistung, ist
dies aus evolutionärer Sicht eine sinnvolle Strategie. Fitness, die diese
Erweiterung umfasst, wird als Gesamtfitness bezeichnet. (van Hateren 2019)
Im Folgenden ist f somit diese Gesamtfitness und x die Schätzung der Gesamtfitness.
Aus recht plausiblen Gründen schränkt van Hateren den Gegenstand
seiner Bewusstseinstheorie ein auf hinreichend hoch entwickelte Organismen mit
einem komplexen Nervensystem, die, und das ist entscheidend, die eben
geschilderten Kommunikationsbeziehungen eingehen. Die weitere Darstellung
basiert auf folgender Überlegung:
Soziale Kooperation erfordert die Vermittlung interner,
nicht-sensomotorischer Zustände (wie Schmerz, Hunger oder andere spezifische Fitnesseinschätzungen).
Da x eine interne Variable ist, die
nicht direkt im physikalischen Raum existiert, kann sie nicht unmittelbar
beobachtet werden. Die Lösung besteht darin, x in den gemeinsamen sensomotorischen Raum (z. B. Lautäußerungen,
Mimik) zurück zu projizieren. Wie ein solcher Mechanismus der Rückprojektion
funktionieren kann, wird vereinfacht anhand der Kommunikation von zwei
Individuen (Sender und Empfänger) entwickelt. Kommunikation kann nur gelingen,
wenn Sender und Empfänger des Kommunikationssignals diesem die annähernd
gleiche Bedeutung zuschreiben. Das
Szenario kann wie folgt beschrieben werden:
Der Sender S will einen Teilaspekt, eine Komponente xi seines aktuell
geschätzten Fitnesszustands (bspw. Hunger) an den Empfänger E kommunizieren. Damit dies gelingen
kann, muss S erstens davon
ausgehen, dass E über einen eben solchen Estimator verfügt, wie er selbst, und
zweitens das Signal über xi richtig interpretiert, also aus dem Signal eine äquivalente
Schätzung rekonstruiert. (Zur Erinnerung, x ist die Schätzung der Gesamtfitness unter Einbeziehung der
Fitness anderer Individuen.) S hat jedoch keinen direkten Zugang
zu xi, da xi keine
sensomotorische, äußerlich wahrnehmbare Größe ist. Es ist ein Gefühl, eine
Empfindung, eine Stimmung, wiewohl hier noch auf sehr basalem Niveau und ohne
die Begleiterscheinung des Bewusstseins, das ja erst noch erklärt werden soll.
Hier nun kommt der komplizierteste Teil von van Haterens
Theorie. Um ein internes xi in ein von E interpretierbares sensomotorisches Signal umzuwandeln, muss S eine Inversion von X vornehmen, also den zu X inversen Operator X-1 „berechnen“. Dies
ist jedoch generell nicht möglich, da nicht gewährleistet ist, dass X überhaupt eine (im mathematischen
Sinn) Inverse hat. Van Hateren zeigt anhand eines bekannten
Rückkopplungsmechanismus aus der Steuerungstheorie, dass es nichtsdestotrotz
möglich ist, eine Approximation der Inversen zu ermitteln, auch wenn der
Ausgangsoperator unbekannt ist. [6]
Die annähernde Transformation eines inneren Zustands xi in ein
interpretierbares Kommunikationssignal gibt dem Empfänger die Möglichkeit,
durch Rücktransformation zum einen das Fitnesslevel von S einzuschätzen und zum anderen die
Schätzung des eigenen Fitnesslevels anzupassen. Durch die Anwendung dieser
Rücktransformation auf den Sender selbst kann, wie van Hateren argumentiert,
Bewusstsein als emergenten Phänomen entstehen.
2.4 Die
Emergenz von Bewusstsein
An
anderer Stelle (van Hateren 2015a, 2022a, 4) hatte van Hateren den G-Loop
eingeführt.
Abb.
1: G-Loop als
interne Steuerungsschleife zur Beeinflussung der Fitness (van Hateren 2022a)
Die linke Seite der Grafik symbolisiert, dass die Fitness des
Organismus seinen evolutionären Erfolg beeinflusst. Der G-Loop auf der rechten
Seite ist ein kontinuierlicher zyklischer Prozess der Aktualisierung der
Verhaltensdispositionen des Organismus aufgrund dessen interner
Fitnessschätzung x. f und x variieren im Laufe der Lebenszeit
des Organismus in Abhängigkeit von den Lebensumständen und seinem Verhalten. Wenn die geschätzte Fitness x hoch ist, wird es dem Organismus wahrscheinlich gut gehen, und
es gibt keinen Grund, sich groß zu verändern. Dann sollte seine
Verhaltensvariabilität R gering sein (was an den Stellen der
Fall ist, an denen ~1/x niedrig ist; siehe die Kurven rechts
in Abb. 1). Wenn die geschätzte Fitness hingegen gering ist, sollte sich der
Organismus stärker verändern, um einer Verschlechterung und dem Tod
vorzubeugen. Eine hohe Variabilität ermöglicht es dem Organismus dann, schnell
andere Verhaltensweisen zu erkunden.
Entscheidend für den evolutionären Erfolg ist die Güte der
Schätzung von f durch x. Diese quantifiziert van Hateren mit der
Einführung eines Faktors C, der umso größer ist, je besser die Annäherung von x an f. C wird nun interpretiert als eine Ursache für sich
verbessernde oder verschlechternde Fitness. Da C (als Teil des G-Loops) eine
stochastische Größe ist, wird die Veränderung der Fitness eher langsam und
tendenziell von statten gehen. Van Hateren nennt die dadurch von C verursachte Fitness fitness-to-be,
also etwa zukünftige oder zu erwartende Fitness, f+ bei Verbesserung, f- bei
Verschlechterung.
Will der Sender S seine geschätzte fitness-to-be dem Empfänger E übermitteln, hängt der positive
Effekt davon ab, wie genau die intentionalen Komponenten des Senders dem
Empfänger übermittelt werden, wie adäquat also die dafür im Ergebnis der
internen Transformation genutzten sensomotorischen Komponenten die
fitness-to-be repräsentieren. Bei geringer Genauigkeit kann der Effekt auf die
fitness-to-be vernachlässigbar oder sogar negativ sein. Bei hoher Genauigkeit
ist hingegen im Durchschnitt ein positiver Effekt zu erwarten. Der Sender kann
jedoch nur seinen eigenen Anteil an der Kommunikation direkt beeinflussen. Den
Grad der Adäquatheit der internen Transformation bezeichnet van Hateren mit T. Ebenso wie C ist T eine kausal wirksame Ursache für
Veränderungen der fitness-to-be.
T ist klein, wenn die Transformation so beschaffen ist, dass die
resultierende Genauigkeit der Kommunikation nur gering sein kann. T ist groß,
wenn die Transformation so beschaffen ist, dass die resultierende Genauigkeit
der Kommunikation potenziell hoch ist (wenn auch abhängig vom Empfänger und den
Umständen). T hat die Eigenschaften einer Ursache, wobei die fitness-to-be des
Senders seine Wirkung ist. Eine Erhöhung von T erhöht im Durchschnitt die
fitness-to-be, während eine Verringerung von T die fitness-to-be im
Durchschnitt verringert. (van Hateren 2019)
Im Weiteren erläutert van Hateren, dass der kausale Faktor C als Intentionalität (Gerichtetheit)
und der kausale Faktor T als Bewusstsein interpretiert werden können.
C quantifiziert, wie gut x f schätzt. De Prozess X, der x erzeugt, ist vollständig im Gehirn (Nervensystem) des
Individuums lokalisiert. Der Prozess F, der f erzeugt, ist jedoch nicht im Gehirn
lokalisiert, da prinzipiell jeder Teil der Welt zur Fitness beitragen kann. Da C sowohl von x als auch von f abhängt und f nicht im Gehirn lokalisiert ist,
ist auch C nicht im Gehirn lokalisiert. Darüber hinaus gehört die
Ursache C nicht vollständig
dem Individuum, da f nicht dem Individuum gehört (selbst
wenn x dem Individuum gehört). C ist eine eigenständige Entität, aber weder gut lokalisiert noch
ein wirklicher Bestandteil des Individuums. Da C nicht gut lokalisiert ist, ist es
unwahrscheinlich, dass es klar wahrgenommen werden kann. C ist also eher unbewusst.
Für T stellt sich die Sache anders dar. T als interner Faktor quantifiziert,
wie gut x transformiert und
für die Kommunikation vorbereitet wird. Sowohl der Prozess X, der x erzeugt, als auch der
Prozess, der die Transformation durchführt, finden vollständig im Gehirn statt.
Daher ist T vollständig im
Gehirn lokalisiert. Darüber hinaus gehört die Ursache T vollständig dem
Individuum, da sowohl x als auch das transformierte Ergebnis im Gehirn des Individuums
vorhanden sind. T ist eine eigenständige Entität, die im Gehirn lokalisiert ist
und ein wesentlicher Bestandteil des Individuums ist. Es ist daher plausibel,
dass T vom Individuum wahrgenommen wird.
Es wird hier angenommen, dass die Wahrnehmung der Präsenz von T
einem Bewusstseinsgefühl entspricht.
Der Inhalt des Bewusstseins in einem bestimmten Moment hängt
dann davon ab, welche intentionalen Komponenten in diesem Moment für die
Kommunikation vorbereitet werden. (van Hateren 2019)
Abb.
2: C als kausaler Faktor der Intentionalität und T als kausaler Faktor des
Bewusstseins (van Hateren 2019)
Abb.
2 zeigt zusammengefasst, die zwei Phasen des Prozesses, der aus der Schätzung
der fitness-to-be und dem Abgleich mit der real festgestellten Fitness in der
ersten Phase Intentionalität als Bestreben nach Vergrößerung von C und in
der zweiten Phase durch Inversion ein kommunizierbares T erzeugt,
das van Hateren als Bewusstsein interpretiert. In der Estimatortheorie ist Intentionalität
somit eine Voraussetzung und kein Merkmal von Bewusstsein.
2.5 Neurobiologische
Realisierung und Empirie
Van
Hateren diskutiert die Frage, wie seine theoretischen Entitäten als
neurobiologische Prozesse im Gehirn implementiert sein könnten. Als besten
Kandidaten für den X-Prozess betrachtet er die thalamokortikale
(Rückkopplungs-)Schleife im Gehirn von Säugetieren, eine komplexe
neuronale Struktur, die die Großhirnrinde (Kortex) mit dem phylogenetisch
älteren Thalamus
verbindet. Der Thalamus enthält Kerne, die sensorische Eingänge (insbesondere
visuelle, auditive und somatosensorische) an den Kortex weiterleiten, sowie
eine Reihe von Kernen, die kortikale Eingänge empfangen und diese zurück zum
Kortex senden.
Dieser
Schaltkreis scheint gut geeignet zu sein, den oben beschriebenen
Zwei-Zyklus-Mechanismus zu erzeugen. In der ersten Phase wird entweder
sensorischer oder kortikaler Input an den Kortex übertragen, wo er über
intrakortikale Verbindungen und die thalamokortikale Schleife (einschließlich
Inputs aus anderen Kernen, wie z. B. solchen im oberen Hirnstamm) X aktiviert. Ein
resultierendes x kann für kurze Zeit in einem Puffer gespeichert werden,
möglicherweise von der Art, die üblicherweise dem ikonischen Gedächtnis
zugeschrieben wird. Die zweite Phase findet nur statt, wenn X zur Kommunikation
bereit ist. Das zwischengespeicherte Ergebnis wird dann … zurück zum Thalamus
übertragen und anschließend ein zweites Mal an den Kortex gesendet, um X auf
ähnliche Weise wie zuvor zu aktivieren. Nun wird das Ergebnis jedoch durch die
inhibitorische Wirkung des TRN [7] … vom
vorherigen zwischengespeicherten Ergebnis subtrahiert. Die Differenz wird
verstärkt und an den Kortex weitergeleitet. Die zweite Phase invertiert somit
effektiv X und transformiert dadurch das zwischengespeicherte x. (van Hateren
2019)
Dass
der Thalamus eine essenzielle Rolle für das Vorhandensein von Bewusstsein
spielt, ist seit einigen Jahren bekannt. So wurde bspw. ein Zusammenhang
zwischen Wachkoma und Schädigungen des Thalamus identifiziert (Ward 2013).
Empirische
Anhaltspunkte für die Estimatortheorie könnten nach Ansicht von van Hateren auf
folgende Weisen gewonnen werden.
(1)
10-Hz-Umschaltmechanismus: In
der thalamokortikalen Schleife von Primaten muss ein rhythmisches Umschalten
(Switching) zwischen Repräsentationsmodus (Phase 1) und Inversionsmodus (Phase
2) mit einer Frequenz von ca. 10 Hz nachweisbar sein (entsprechend den
Beobachtungen von Koch 2004).
(2)
Phasenspezifische Suppression: Eine
gezielte zeitliche Störung der Phase 2 (Inversion) muss das Bewusstsein
unterdrücken, während die unbewusste Informationsverarbeitung (Phase 1,
implizite Repräsentationen) intakt bleibt.
(3)
TRN-Modulation: Da
der TRN (Nucleus
reticularis thalami) essenziell für die
subtraktive Rückkopplung ist, müssen Läsionen oder pharmakologische
Suppressionen dieser Struktur (z. B. durch Anästhetika) direkt mit dem Verlust
des Bewusstseins (vegetativer Zustand) korrelieren.
(4)
Synchronisation im
Dialog: Im bewussten, non-verbalen Dialog zwischen zwei Individuen müssen
sich deren thalamokortikale Umschaltzyklen synchronisieren, um eine
erfolgreiche Rekonstruktion der gegenseitigen Fitnesseinschätzungen zu
ermöglichen.
2.6
Zusammenfassung
Die Estimatortheorie geht aus von der evolutionären Fitness f, die als quantifizierbare, aus Lebenserwartung und Reproduktionsrate eines Organismus resultierende Steuerungsgröße entscheidend für den
evolutionären Erfolg einer biologischen Spezies ist. f lässt sich formal als Ergebnis der Anwendung eines
Fitnessoperators F auf die Gesamtheit der fitnessrelevanten inneren und äußeren Umstände w darstellen.
Um ihre eigene evolutionäre Fitness durch Verhalten zu beeinflussen, so
die Hypothese der Estimatortheorie, verfügen Organismen über einen internen,
neurophysiologisch implementierten Prozess X zu deren Schätzung. Wie dieser Prozess organismisch realisiert ist, ist
unbekannt, für die Theorie aber auch (noch) nicht relevant. Als Input von X dienen die dem Organismus die als sensorische Daten
zugänglichen inneren und äußeren Umstände u. Das Ergebnis der Operation von X auf u ist eine interne Schätzung x der Fitness, die mehr oder weniger gut mit der wirklichen Fitness f übereinstimmt. Sowohl f als auch x sind stochastische Größen. Während f eine durch die Evolutionstheorie auf den Organismus bzw. eine
Population projizierte Größe ist, handelt es sich bei x um eine real im organismischen Substrat existierende
Entität.
Der Faktor C misst die Güte der Annäherung von x an f und dient der Steuerung des
Verhaltens des Organismus über den G-Loop (Abb. 1). Bei großem C sind keine oder nur geringe Verhaltensänderungen
erforderlich, ein kleines C erfordert vom Organismus kompensatorische Aktivitäten, um das eigene
Leben oder das der Nachkommen zu erhalten. C wird als Intentionalität interpretiert.
Gerade das Ziel des Schutzes und Erhalts der Nachkommenschaft bzw. auch
des speziesspezifischen Sozialverbands durch Kooperation führt zur
Notwendigkeit der Kommunikation der je individuellen Fitnessschätzung x zwischen den Individuen. x ist als interne Entität (Zustand) jedoch nicht
wahrnehmbar und deshalb auch nicht kommunizierbar. Ein Inversionsprozess muss
aus x ein mitteilbares sensomotorisches Signal generieren.
Dies erfolgt durch einen Rückkopplungs-mechanismus, der eine annähernde
Inversion des Estimator-Operators vornimmt, und damit in gewissem Sinn das
Innere des Individuums (seine unbewusste Befindlichkeit) nach außen kehrt.
Das sensomotorische Resultat der Inversion bzw. Transformation des
Senders wird vom Empfänger rücktransformiert, vom empfängereigenen Estimatorprozess
verarbeitet und beeinflusst so dessen Schätzung der Gesamtfitness (unter
Einbeziehung der Fitness des Senders). Die tendenzielle Güte dieser letzten
Schätzung im Vergleich zu der vom Sender kommunizierten Fitness und damit der
Grad der Adäquatheit der Transformationsprozesse resultiert in einem Faktor T, der als interne Entität vom Individuum wahrgenommen
(empfunden, gefühlt etc.) werden kann. Wie C ist auch T ein kausal wirksamer Faktor, da er das Verhalten des Individuums
beeinflusst. Anders als jener ist er rein intern, materiell verursacht, aber
selbst nicht materiell, sondern ein stark emergentes Phänomen, das wir Bewusstsein
nennen.
3
Diskussion
Ich
werde die Estimatortheorie zunächst gegen die eingangs aufgestellten fünf
Anforderungen an eine Theorie des Bewusstseins spiegeln und nachfolgend einige kritische
Anmerkungen zur Theorie äußern.
3.1 Bewertung
Gemäß den von mir eingangs formulierten Anforderungen an eine Theorie
des Bewusstseins sollte van Haterens Estimatortheorie
(1)
evolutionsbiologisch,
(2)
sozio- und kulturevolutionär,
(3)
neurophysiologisch,
(4)
individualpsychologisch und
(5)
philosophisch
fundiert sein.
Die Estimatortheorie geht weit über das hinaus, was hier in Abschnitt 2 referiert wurde. Sie ist angelegt als vereinheitlichende Theorie
biologischer Funktionen schlechthin (van Hateren, 2013, 2017). Ihr Kern besteht
in der Beziehung zwischen D-Loop und G-Loop, dargestellt in Abb. 3.
Abb. 3: G-Loop als interne
Steuerungsschleife zur Beeinflussung des evolutionären Erfolgs (van Hateren 2022a)
Auf einer evolutionären Zeitskala erzeugt der als Reproduktionszyklus interpretierte
D-Loop die grundlegende darwinistische Evolution durch natürliche Selektion,
basierend auf der Fitness f, die durch den Prozess F erzeugt wird. Der G-Loop verändert zufällig die vererbbaren
Eigenschaften, die an die Nachkommen eines Organismus weitergegeben werden,
wobei das im Durchschnitt zu erwartende Ausmaß der Veränderung durch die
interne Fitnessschätzung x moduliert wird, die durch den Prozess X erzeugt wird.
Wie in 2.3 und 2.4 skizziert, entsteht Bewusstsein auf dieser Grundlage durch gegenseitige
Kommunikation der Fitnessschätzung zwischen den Individuen einer Population. Offensichtlich
haben Individuen wie auch Spezies unter sonst gleichen Bedingungen (Lebensraum,
Mutationsrate etc.) desto bessere Überlebenschancen und damit bessere
evolutionäre Erfolgsaussichten, je erfolgversprechender ihre
Kommunikationsstrategie ist. So können mit van Haterens Theorie generell auch
die verschiedenen evolutionären Abstufungen von Bewusstsein erklärt werden. Van
Hateren selbst konzentriert sich primär auf das von ihm so bezeichnete
primordiale Bewusstsein, als die elementarste Ausprägung des Phänomens,
diskutiert in van Hateren 2022a, Kap. 11 – 13, aber auch höherstufige
Bewusstseinsformen sowie andere psychische Phänomene. Mit Verweis auf Tomasello
(Tomasello 2014) wird insbesondere die Bedeutung der Sprache als spezifisch
menschlicher Kommunikationsweise und Produkt der Verschränkung von biologischer
und sozio-kultureller Evolution thematisiert. Durch die Verortung der
Intentionalität, die von anderen Theorien meist als Merkmal des Bewusstseins
angesehen wird, außerhalb des Gehirns vermeidet die Theorie auch den eingangs
kritisierten Zerebrozentrismus. Mithin erfüllt die Estimatortheorie die
Anforderungen (1) und (2).
Einen weiteren Anhaltspunkt dafür, dass die Theorie das Bewusstsein
selbst als evolvierend ansieht, bietet die Beschreibung des X-Prozesses, in den als Inputvariablen u die dem Organismus zugänglichen Teile der Welt
einschließlich seiner eigenen inneren Zustände eingehen. Je größer die Menge
der Inputs u und je besser deren
sensorische oder neurale Verarbeitung, desto gravierender sind auch ihre
Auswirkungen auf die Schätzung von x und damit, über den Inversions- und Transformationsprozess, auf den
Faktor T, der in der Theorie für das
phänomenale Bewusstsein steht.
Unter 2.5 wurde skizziert, wie van Hateren die thalamokortikale Schleife im
Säugetiergehirn als Kandidat für die neurophysiologische Realisierung sowohl
des X- wie auch des Inversions- und
Transformationsprozesses einführt. Weder der eine noch der andere Prozess sind
bislang empirisch belegt. Gleichwohl vermuten auch Hirnforscher wie Edelman und
Tononi (Edelman, Tononi 2000), dass der thalamokortikalen Schleife eine wesentliche
Rolle für das phänomenale Bewusstsein zukommt. Auf den Zusammenhang zwischen
Wachkoma und Schädigungen des Thalamus wurde bereits hingewiesen. Ungeachtet
der Plausibilität ihrer grundlegenden Annahme über das Vorhandensein eines X-Prozesses der Fitnessschätzung in biologischen
Organismen, handelt es sich bei der Estimatortheorie um reine Spekulation; das
betont auch van Hateren selbst. Auf die Frage, ob im Rahmen dieser Theorie Bewusstsein
ausschließlich an biologische Organismen gebunden ist oder auch nichtorganische
Materie zu Bewusstsein fähig sein könnte, gibt er in van Hateren 2022a, Kap.
16, eine eindeutige Antwort. Bezugnehmend auf die von Michael Tye im erwähnten Blackwell
Companion to Consciousness (Velmans, Schneider 2007) formulierten
philosophischen Probleme des Bewusstseins, macht er zum Problem „Können
Maschinen Bewusstsein entwickeln?“ folgende Ausführungen:
Kurze Antwort: Nein, es sei
denn, Maschinen werden zuerst lebendig; es ist jedoch zweifelhaft (oder
zumindest eine Frage der Definition), ob man ein solches lebendes System –
einen Organismus – noch als Maschine bezeichnen könnte. Lange Antwort: Bewusstsein
entsteht in einem System, wenn sich die Intentionalität so verändert, dass sie
(extern oder intern) kommuniziert werden kann und somit die inklusive Fitness
steigern kann. Intentionalität ist ein stark emergentes Phänomen, das von einer
Fitnessschätzung abhängt, die zufällige strukturelle Veränderungen des Systems
moduliert. Dieser Mechanismus ist nur dann nachhaltig, wenn die
Fitnessschätzung die tatsächliche Fitness genau einschätzt, bei tatsächlicher
Fortpflanzung (denn das exponentielle Wachstum der Fortpflanzung ist
erforderlich, um die Ineffizienz zufälliger struktureller Veränderungen
auszugleichen; dies hängt letztlich von der Evolution durch natürliche
Selektion ab). Fitness, zufällige strukturelle Veränderungen und Evolution
durch natürliche Selektion sind definierende Merkmale des Lebens. Daher muss
ein System lebendig sein, um Intentionalität und in der Folge Bewusstsein zu
besitzen. Ob ein lebendes System als Maschine bezeichnet werden könnte, ist
umstritten. In jedem Fall wäre der Bau eines solchen Systems riskant, da es
versuchen würde, sich grenzenlos zu vermehren, und somit mit Menschen und
anderen biologischen Lebensformen konkurrieren würde. (van Hateren 2022a)
Der Inhalt der Anforderung (4) wird von van Hateren nicht explizit thematisiert. In den Kap. 11 – 13
seines Buches (van Hateren 2022a) werden zwar gewisse psychologische
Implikationen der Theorie wie Intentionalität und Selbstbewusstsein diskutiert,
ein Zusammenhang mit anderen psychischen Phänomenen oder Prozessen wie
Empfinden, Fühlen oder Wahrnehmen wird explizit nicht hergestellt. Aus der
Beschreibung des X-Prozesses der internen Fitnessschätzung kann man aber schließen, dass Wahrnehmungen,
Gefühle, Empfindungen und, evolutionär später, Vorstellungen und Gedanken als
Inputs ui in den Prozess eingehen.
Offen bleibt die Rolle des Gedächtnisses, was m. E. n. eine Schwäche der
Theorie darstellt, worauf in 3.2 noch einzugehen sein wird.
In van Hateren 2021b versucht der Autor mit großem argumentativen
Aufwand, seine Theorie philosophisch zu positionieren. Sie ist, soviel sollte
verständlich gemacht worden sein, eine materialistische und
nicht-reduktionistische Theorie. Die beiden Entitäten C – Intentionalität - und T – Bewusstsein (siehe Abb. 2) emergieren aus
materiellen, organismischen Prozessen. Van Hateren argumentiert, dass C und T kausale Faktoren sind, die auf deterministische und stochastische
Weise das Verhalten des Organismus verursachen. Sie sind hingegen nicht
materiell in dem Sinne, dass sie nicht auf physikalische Prozesse reduziert
werden können, vielmehr handelt es sich um stark emergente Phänomene
(siehe Clayton 2006).
3.2
Kritik
Wiewohl ich der Estimatortheorie
grundsätzlich positiv gegenüberstehe, habe ich auch Kritikpunkte anzubringen.
Teleologie
Eine Theorie, die das
Entstehen bestimmter funktionaler Merkmale einer Spezies im Prozess der darwinistischen
Evolution erklärt, setzt sich u. U. dem Teleologieverdacht aus. Da eine biologische Funktion i. d. R.
einen bestimmten Zweck hat, kann man versucht sein, ihre evolutionäre Entstehung
mit diesem Zweck direkt in Verbindung zu bringen, sozusagen eine
„Um-zu-Erklärung“ abzuliefern: Der Pfau hat seinen imposanten Schwanz
ausgebildet und spreizt ihn, um damit den Hennen zu gefallen, Bäume
leben in Symbiose mit Pilzen, um ihren Stickstoffbedarf zu decken, um
nur zwei Beispiele zu nennen. Die Evolution verläuft jedoch nicht gerichtet,
sondern zufällig, neue biologische Merkmale entstehen durch Mutationen oder natürliche
Drift (Maturana, Varela 2015). Dass sie bestimmte Zwecke haben, stellt sich
erst im Selektionsprozess heraus, wenn sie der evolutionären Fitness
zugutekommen.
Die Estimatortheorie des
Bewusstseins hat allerdings bei mir den Verdacht geweckt, dass sie als
theoretisches Modell zur Erklärung der Funktion eben jener thalamokortikalen Schleife entwickelt wurde, die von van Hateren als
Kandidat für die physiologische Realisierung des Estimatorprozesses sowie des
Inversions- und Transformationsprozesses, der zur Entstehung von Bewusstsein
führt, angesehen wird.
In seinem letzten Buch vertritt Daniel Dennett die Ansicht, dass
teleologische Erklärungsansätze in der Biologie nicht per se kritikwürdig sind,
sondern vielmehr als Heuristiken ihre Berechtigung haben.
Die Evolution durch natürliche
Selektion ist selbst kein gestalteter Gegenstand oder Akteur mit bestimmten
Zielen, doch handelt sie so, als wäre sie einer (sie nimmt den Platz des
Intelligenten Designers ein): Sie ist eine Menge von Prozessen, die Gründe
dafür „finden“ und „ihnen gemäß handeln“, um Dinge auf bestimmte Weise zu
arrangieren. Der wesentliche Unterschied zwischen den Gründen von Evolution und
menschlichen Designern besteht darin, dass Letztere ihre Gründe meist (aber
nicht immer) im Kopf haben, während die ursprünglich von der natürlichen
Selektion entdeckten Gründe erstmals von denjenigen verstanden werden, denen
die entsprechende Rekonstruktion gelingt. (Dennett 2025, 54f)
Schließt man sich dieser
Ansicht an, wäre der von mir vermutete teleologische Ansatz von van Hateren
unproblematisch, er sollte nur explizit gemacht werden.
Skalare Größen
In van Haterens Theorie spielen skalare Größen eine zentrale Rolle.
So sind die evolutionäre Fitness f und die interne Fitnessschätzung x Skalare. Ein Skalar ist eine mathematische Größe, die allein durch die
Angabe eines Zahlenwertes charakterisiert ist. Dass die Fitness f als theoretische Größe als Zahlenwert dargestellt
werden kann, leuchtet unmittelbar ein, ganz gleich, wie sie berechnet wird, sie
wird ja von außen, von der Theorie auf den Organismus projiziert, ist mithin
eine externe Größe. Die Schätzung x hingegen wird durch einen internen, nicht näher beschriebenen Prozess X hervorgebracht. Leider macht van Hateren nicht
verständlich, wie aus einem solchen biologischen Prozess eine numerische Größe
resultieren kann. Man muss daher wohl x ebenfalls als theoretisches Konstrukt auffassen, das für etwas steht,
dass neurobiologisch noch zu entdecken wäre. In van Hateren 2015a bezieht sich
der Autor auf das Good Regulator Theorem der Kybernetik (Conant, Ashby 1970),
nach dem jeder gute Regulator bzw. Homöostat seine Umgebung modellieren und
berücksichtigen muss, wie er von ihr beeinflusst wird. Demnach könnte der
Estimatorprozess X auf und mit einem internen Modell des Organismus und seiner Umgebung arbeiten.
Im gleichen Text wird außerdem Predictive Processing auf Grundlage des
free-energy principle (Friston 2010) als möglicher Mechanismus der
Implementierung von X ins Spiel gebracht. Van Hateren zufolge ließe sich die Minimierung der
freien Energie als eine optimale Strategie betrachten, mit der ein Organismus
seine eigene Fitness abschätzen könnte. Da es sich bei der freien Energie des
free-energy principle um ein informationstheoretisches Maß (im Sinne der
Shannonschen Informationstheorie) handelt, ist allerdings nicht mit einer
expliziten Erklärung in Gestalt biologischer Prozesse zu rechnen.
Inversion und Transformation
In 2.3 wurde skizziert, dass durch (näherungsweise) Inversion des Operators X der geschätzte Fitnesszustand x in ein kommunizierbares somatosensorisches Signal
transformiert wird, was in der Estimatortheorie die Voraussetzung für die
Emergenz von Bewusstsein ist. Da es sich hierbei um den entscheidenden
Theorieschritt von der Fitnessschätzung zum Bewusstsein handelt, sollte
verständlich gemacht werden können, was hier geschieht. Das tut van Hateren aber
nur unzureichend. Zunächst einmal bleibt völlig im Unklaren, was unter der
Inversen X-1 zu verstehen ist. Rein mathematisch betrachtet, erzeugt X gemäß Gleichung (E2) aus dem vektoriellen Input u den skalaren Schätzwert x. In der Mathematik wird dies Funktional genannt.
Inversion von X würde also bedeuten, dass durch X-1 aus x eindeutig u rekonstruiert wird, was mathematisch unmöglich ist. Van Hateren ist sich dessen anscheinend bewusst,
weshalb er schon zu Beginn seiner entsprechenden Erläuterungen von der
„globalen“ Fitnessschätzung x zu einer ihrer Komponenten xi wechselt, die sich aus einem spezifischen Umweltfaktur ui speist. Damit wird das
skalare x zu einem vektoriellen (x1,x2,…xn) und das Funktional X zu einem Operator, und es kann mathematisch sinnvoll von dessen inversem
X-1 gesprochen werden. In dem in 2.5 angeführten Zitat wird versucht, Inversion und Transformation im Fall
der Realisierung des X-Prozesses durch die thalamokortikale Schleife zu erklären (was i. Ü.
für den von mir geäußerten Teleologieverdacht spricht). Kurzum, es wäre
wünschenswert, den für die Bewusstseinstheorie zentrale Prozess der Inversion
und Transformation präziser und verständlicher darzustellen.
Starke Emergenz
Der Autor erklärt die Faktoren
C (Intentionalität) und T (Bewusstsein) zu stark emergenten Phänomenen, ohne
dies näher zu erläutern. Was ist damit gemeint? Unter Emergenz wird das Erscheinen
(Auftauchen, Hervorkommen) neuer Eigenschaften, Strukturen oder
Verhaltensweisen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Bestandteile
verstanden. Zumeist wird zwischen schwacher und starker Emergenz
unterschieden. Eine Systemeigenschaft ist schwach emergent, wenn kein
Systembestandteil diese Eigenschaft besitzt, wenn sie also nur auf der Ebene
des Systems als Ganzem auftritt, und wenn sie kausal wirksam ist. Wenn die
emergente Systemeigenschaft zusätzlich irreduzibel ist, d. h. nicht aus den
Eigenschaften und dem Zusammenspiel der Systembestandteile erklärt werden kann,
spricht man von starker Emergenz (siehe Clayton 2006).
Marc Bedau vertritt die
Ansicht, dass streng emergente Eigenschaften und Phänomene faktisch nicht
existieren.
Es gibt keine Belege dafür, dass die starke Emergenz in der heutigen
Wissenschaft eine Rolle spielt. Die wissenschaftliche Irrelevanz der starken
Emergenz ist leicht nachvollziehbar, da starke emergente Kausalkräfte reine
Naturphänomene sein müssten. Selbst wenn es solche Kausalkräfte gäbe, könnten
sie in der Wissenschaft bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Die
starke Emergenz beginnt dort, wo die wissenschaftliche Erklärung endet. (Bedau
2008, 159)
Offenkundig ist van Hateren
hier anderer Ansicht und begründet dies damit, dass eine Systemeigenschaft als
schwach emergent angesehen wird, weil wir (noch) nicht in der Lage sind, ihr
Zustandekommen zu erklären, während eine stark emergente Eigenschaft etwas
wirklich Neues in die Welt bringt.
Schwach emergente Phänomene sind dann vor allem aus
erkenntnistheoretischen Gründen neuartig und überraschend. Ein System kann so
komplex sein, dass sich seine Eigenschaften und seine Dynamik nicht mit
einfachen Begriffen erklären lassen. Grundsätzlich könnte man die Mikrodynamik
eines solchen Systems simulieren und so das emergente Phänomen reproduzieren...
Stark emergente Phänomene hingegen sind vor allem aus ontologischen Gründen
neuartig und überraschend. Insbesondere erzeugen solche Phänomene neuartige
kausale Kräfte, die sich nicht anhand derjenigen der Komponenten des Systems
und seiner Umgebung erklären lassen. (van Hateren 2021b)
Mit der starken, der
ontologischen Emergenz wird der Begriff der Abwärtsverursachung
(downward causation) verbunden. Abwärtsverursachung oder auch Abwärtskausalität
bedeutet, dass das auf Systemebene auftretende stark emergente Phänomen als
Kausalkraft auf die Systemelemente wirkt. Bedaus zitierter Einwand ist wohl
auch dadurch motiviert, dass in den Naturwissenschaften noch kein Fall von
Abwärtsverursachung nachgewiesen werden konnte. Dass das Bewusstsein (über die
Intentionalität) kausal wirksam ist, wird kaum jemand bestreiten, ob es aber
auch abwärtskausal, also in Richtung der es erzeugenden Prozesse wirkt, ist
mindestens diskussionsbedürftig. Im Rahmen der Estimatortheorie, müsste das ja,
konsequent weitergedacht, bspw. zu dem Schluss führen, dass der Input u der internen Fitnessschätzung x auch eine subjektive Komponente enthält. Ich weiß
nicht, ob das möglich ist und ob van Hateren selbst diese Konsequenz zieht,
halte aber, wie gesagt, die Behauptung der starken Emergenz für diskussionswürdig.
Gedächtnis
In der Einleitung hatte ich Rubinsteins Beschreibung (Definition) von
Bewusstsein zitiert: „Das Bewusstsein des konkreten Individuums ist die Einheit
von Erleben und Wissen.“ Wissen ist im Gedächtnis gespeichert, ohne Gedächtnis
kann es mithin kein bewusstes Erleben geben. Diese elementare Tatsache findet
in der Estimatortheorie keine adäquate Entsprechung. Lediglich in der folgenden
Aussage, in der Bewusstsein auf Intentionalität bezogen wird, gibt einen
Anhaltspunkt, wie Bewusstsein und Gedächtnis zusammenhängen könnten:
Der Inhalt des Bewusstseins in einem bestimmten Moment hängt
dann davon ab, welche intentionalen Komponenten in diesem Moment für die
Kommunikation vorbereitet werden. (van Hateren 2019)
Der Zugang des Bewusstseins zum Gedächtnis wird also über den
intentionalen Inhalt vermittelt. Wie Intentionalität auf der Basis des
Estimatorprozesses entsteht, ist ausführlicher in van Hateren 2021a ausgeführt,
doch auch dort wird das Gedächtnis als Quelle der intentionalen Inhalte nicht
thematisiert. Es mag der Abstraktheit der Theorie geschuldet sein, dass dieser
Aspekt systematisch vernachlässigt wird, zumal van Hateren auch nur von
„minimaler Intentionalität“ spricht, allerdings scheint mir die Theorie hier
eine relevante Lücke aufzuweisen.
3.3
Schlussbemerkung
Man sollte annehmen, eine fundamental neue Theorie nicht nur des
Bewusstseins, sondern des Lebendigen schlechthin würde in Fachkreisen rezipiert
und diskutiert, zumal wenn sie Anregungen für die konkrete neurobiologische
Forschung bietet. Dem ist anscheinend nicht so, jedenfalls konnte ich dafür
keine Anzeichen finden. Dabei scheint der Autor kein akademischer Außenseiter
zu sein, hat seine theoretischen Überlegungen in anerkannten Fachjournalen
publiziert (wobei ja üblicherweise ein peer review zu durchlaufen ist) und auch
einen Betrag zum Routledge handbook of philosophy of agency (van Hateren 2022b)
beigesteuert. Möglicherweise ist er einer dieser Sonderlinge, deren „geniale“
Ideen, von den Zeitgenossen schon mal per se verworfen werden. So hat er, nach
seiner Beschäftigung mit Evolution und Bewusstsein, eine mathematische Theorie
entworfen, die die Entstehung von buchstäblich Allem aus Nichts erklären soll,
veröffentlicht als Preprint unter dem Titel „From nothingness to time, Planck’s
constant, and endless accretion“. Theorien, die den Anspruch erheben, alles zu
erklären, und die Estimatortheorie gehört wohl zu diesem Typus, sind
grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist es diese
Ambitioniertheit, die die Rezeption der Estimatortheorie behindert.
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Ward L. M. (2013) The thalamus: gateway to the mind. WIREs CognSci, 4:609–622
[1]
Ätiologie ist an
sich ein Begriff aus der Medizin, meint hier aber die Lehre von den Ursachen
von etwas.
[2] Aus Gründen der
besseren Lesbarkeit des Textes wurden diese und alle folgenden, original
englischen Zitate unter Verwendung von DeepL (https://www.deepl.com/de/translator) ins Deutsche
übertragen.
[3]
Das russische Wort für Bewusstsein ist сознание, was als Mit-Wissen
verstanden werden kann. Aber auch im deutschen Begriff steckt die Wurzel
„wissen“; man könnte es so ausdrücken: Bewusstsein ist gewusstes Erleben.
[4]
Die frei verfügbaren Texte sind auf der Seite https://sites.google.com/site/jhvanhateren
verlinkt.
[5]
„Nicht-stationär“ bedeutet, dass F selbst zeitabhängig ist und sich mit der Zeit
verändern kann.